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Marktplatz

Aus LutherWiki
Version vom 7. Februar 2026, 05:03 Uhr von Björn (Diskussion | Beiträge) (→‎Anmerkungen)
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Vor dem Rathaus Wittenbergs befindet sich der äußerst ausladende Marktplatz mit den Standbildern der beiden Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Das Pflaster soll in Teilen noch aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Möchte man eine Eindruck haben, wie der Marktplatz um 1500 ausgesehen hat, muss man sich die östliche Häuserzeile wegdenken, die den freien Blick auf die Stadtkirche St. Marien verhindert. Vielmehr sind damals dort niedrige, schlichte, hölzerne Verkaufsstände, sogenannte "Scharren" (Brot und Fleisch werden hier verkauft). Das Rathaus, zu jener Zeit wesentlich kleiner und weniger prunkvoll, steht mehr zur Mitte des Marktplatzes hin. Der Marktplatz selbst, die Stadtkirche und der Friedhof um die Stadtkirche herum, bilden ein kompaktes typisch mittelalterliches Stadtzentrum. Die beiden Stadtbäche sprudeln munter durch dieses malerische Ensemble am Marktplatz vorbei.

Hinrichtungen

Weniger malerisch ist das Thema der Hinrichtungen, die hier am Wittenberger Marktplatz stattfanden. Dafür brauchte es aber zunächst die "obere Gerichtsbarkeit", oder die Blutgerichtsbarkeit wie sie auch heißt. Diese Gerichtsbarkeit erhielt Wittenberg um das Jahr 1441 (für etwa 4.000 Gulden? ). Die Stadt war ab diesem Zeitpunkt befähigt, Todesurteile zu vollstrecken. [1]

Anfang des 16. Jahrhunderts war der Glaube an die Existenz des Teufels und Hexen in der Gesellschaft fest verankert. Auch Martin Luther rief zur aktiven Tötung von vermeintlichen Hexen auf, wie uns ein Zitat wissen lässt:

"Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird... Wenn du solche Frauen siehst, sie haben teuflische Gestalten, ich habe einige gesehen. Deswegen sind sie zu töten." [2]

In den Jahren 1540 bis 1674 waren in Wittenberg ungefähr 21 Menschen von der Hexenverfolgung betroffen. 8 Hinrichtungen sind nachweisbar, von den anderen 13 ist der Ausgang unklar, bzw. nicht bezeugt. [2]

Die Dienstmagd und ihr Neugeborenes

Aus dem Jahr 2025 stammt ein interessanter Skelettfund, datiert auf das 16. Jahrhundert. Wahrscheinlich ist damals einer 21 - 24 Jahre alten Dienstmagd, die ihr Neugeborenes direkt nach der Entbindung getötete haben soll, der Kopf abgeschlagen worden. Bei dem Begräbnis nach der Hinrichtung, ist ihr Kopf in ein Keramikgefäß getan worden und wurde unter ihrem Körper platziert. Deutlich sind bei dem Skelet Hiebspuren am Halswirbel zu finden. Es ist gut möglich, dass diese Hinrichtung auf dem Wittenberger Marktplatz stattfand. Gefunden wurde das Skelett bei Ausgrabungen am ehemaligen Franziskanerkloster in Wittenberg.

Des weiteren wurde ihre Schädeldecke entfernt, was ein deutlicher Hinweis auf die "innere Leichenschau" des Caspar LINDEMANN ist. Der führte, laut dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, am 23. September 1534 eine solche Sektion in Wittenberg durch. [3]

Prista Frühbottin

Ein spektakulärer Fall einer Hexenverbrennung stellt die Tötung der 50-jährigen Prista Frühbottin dar, die am 01. Mai 1540 hingerichtet wird. Sie, ihr Sohn Dictus, sowie die Knechte und Abdeckergehilfen Clemen Ziesigk und Caspar Schiele, werden beschuldigt, das Vieh auf den Weiden um Wittenberg herum vergiftet zu haben.

Die Anklage lautet auf:

  • Teufelsbuhlschaft
  • Wettermacherei
  • Zauberei
  • Viehweidenvergiftung [4]

Dass das Jahr 1540 ein außergewöhnliches Dürrejahr war, wurde bei der Wahrheitsfindung natürlich nicht berücksichtigt. [5] Nach Folter und Verurteilung der Vier folgte die bösartige Hinrichtung, auf deren nähere Verlauf ich hier nicht weiter eingehen werde.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Lucas Cranach zu jener Zeit Bürgermeister Wittenbergs war und die Hinrichtungsszene in einem Holzschnitt detailliert festhielt. [6]

Ebenfalls in diesem Fall verdächtigt wurde der Wittenberger Scharfrichter Magnus Fischer, der mit Prista Frühbottin befreundet war. Ihm gelang zwar noch die Flucht in die Grafschaft Mansfeld, dort wurde er letztendlich aber festgesetzt und fand kurz darauf sein Ende in Eisleben auf dem Scheiterhaufen. [7]

**!** Der Absatz über Prista Frühbottin enthält noch relativ wenig Informationen. Vielleicht wissen Sie mehr darüber.
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Susanne Zimmermann (geb. Hoyer)

Der Kriminalfall um die Giftmischerin Susanne Zimmermann (geb. Hoyer) führte zu einer bemerkenswerten Hinrichtung, die am 26. Okt. 1728 auf dem Marktplatz zu Wittenberg stattfand. Mutmaßlich 8 Personen (eher mehr) wurden von der besagten Dame mittels Arsen und Mäusepulver vergiftet. Darunter die 4 Kinder ihres letzten Ehemanns, dem Postkomissar Johann Georg Zimmermann. Im Tee, als Abführmittel, in Maultaschen (früher Maulschellen) und auf einer Butterbemme [8] vermischte sie das Gift. [9]

Verdacht wurde immer wieder geschöpft, doch gelang es ihr lange Zeit aufkommendes Misstrauen zu zerstreuen. Das letzte Kind, der sieben jährige Carl Zimmermann, wurde trotz ihres Missfallens heimlich obduziert, wobei zweifelsfrei eine Vergiftung nachgewiesen wurde. Bei der Vernehmung gab sie an, das bei ihr gefundene Arsen als Waschmittel benutzt zu haben.

Es folgte die Verhaftung, dann Inhaftierung in der Arrestzelle des Rathauses. Sie flüchtete noch einmal aus dieser Gefangenschaft, wurde von der Wittenberger Militärwache aber wieder aufgegriffen und für kurze Zeit im "Drachenkopf", dem Torturm des ehemaligen Elstertors, verwahrt. [10]

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Die Urteilsfindung zog sich über mehr als ein Jahr, vom 07. Sept. 1727 - 04. Okt. 1728. Die Verteidigung, die ein Herr Dr. Köselitz übernahm, zielte darauf ab, anstatt dem Rädern die Hinrichtung mit dem Schwert vorzunehmen, was als eine ehrenhafte Hinrichtung galt.

Die Verteidigung fußte hauptsächlich auf 4 Argument, die die Angeklagte in eine gute Position bringen sollte: [11]

  • Die Verteidigung plädierte auf nicht zurechnungsfähig. Die Angeklagte sei melancholisch und galt, für jene Zeit (1728), als geisteskrank.
  • Die verabreichte Giftmenge ist nicht sicher tödlich. Es kann demnach Vorsatz nicht zweifelsfrei belegt werden.
  • Hätten die behandelnden Ärzte die richtigen Heilmittel angewendet, wäre es eventuell nicht zum Tode gekommen.
  • Art uns Ausführung der Sektionen (Obduktionen) wurden bemängelt.

Durch Formfehler und Bittgesuche schleppte sich das Verfahren einige Monate hin. Auch langwierige Zeugenvernehmungen dauerten an, so dass ein endgültiger Richterspruch erst am 4. Okt. 1728 verkündet wurde. Darin wurden die Einwände der Verteidigung letztendlich abgewiesen und die Taten sollten mit dem Rädern bestraft werden. Durch die Schwere und Boshaftigkeit der Morde wurde zusätzlich gefordert, "die Inquisitin Zimmermannin zur Feimstadt zu schleiffen", was in der Praxis bedeutete, dass die Delinquentin vor der eigentlichen Hinrichtung erst von einem Pferd, um den Marktplatz herum, zur Hinrichtungsstädte geschleift wurde. [11]

Üblich war es, die mit einem Schwert vollzogenen Hinrichtungen auf dem Wittenberger Marktplatz, vor dem Rathausportal, durchzuführen. Die ehrlose Strafe des Räderns hingegen, fand immer auf dem Galgenfeld (Galgenberg) statt. Zu jener Zeit aber wurde die Straße (Reinsdorfer Weg/Neumühlenweg) neu- bzw. umgepflastert, so dass sie nicht befahrbar war. Man entschloss sich daher, die Hinrichtung der Delinquentin auf dem Wittenberger Marktplatz vorzunehmen. [12]

Ernst Elias Friedrich Wollkopf

Ein letztes Mal für eine Hinrichtung läutete das Arme-Sünder-Glöckchen am 9. Mai 1834. Ernst Wollkopf, ein Fleischergeselle aus Herbsleben (heute Thüringen), war schön öfter als Kleinkrimineller in Erscheinung getreten. Er trank, war ein Glücksspieler, ein Passfälscher und immer mal wieder in Geldnöten. Befreundet war er mit dem Müllerburschen Gottfried Herrmann, der in der Windmühle des Dorfes Piesteritz arbeitete. Heute ist das Dorf ein Ortsteil Wittenbergs.

Ursprünglich für den 10. Dez. 1831 plante Ernst Wollkopf die Ausraubung des Gottfried Herrmann. Er machte sich mit einem geschliffenem Schlachtermesser auf den Weg zur Mühle. Da er Herrmann nicht antraf, machte er sich zwei Tage später erneut auf den Weg, wo er gastfreundlich von Herrmann empfangen und aufgenommen wurde.

Wollkopf nutzt einen vermeintlich günstigen Moment, um Herrmann seiner Taschenuhr zu berauben. In der anschließenden tätlichen Auseinandersetzung tötete er den Müllerburschen durch einen Stich in die Brust. Bereits 3 Tage später, am 15. Dez. 1831, wird er als Tatverdächtiger in Kropstädt aufgegriffen. Einige Monate lang leugnete er noch seine Tat. Er versucht noch zwei Mal aus dem Gefängnis zu fliehen, um letztendlich am 9. Mai 1834 um 6 Uhr morgens durch das Rad zu sterben. [13]

Standbilder & Denkmäler

Aus welcher Richtung man sich dem Wittenberger Marktplatz auch nähert, zu bemerken ist immer, wie großzügig die gesamte Fläche angelegt wurde. Unterbrochen wird sie durch die beiden Standbilder bzw. Denkmäler, die uns die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon zeigen.

Martin Luther

34.500 Taler hat das Lutherdenkmal damals gekostet. Die Grundsteinlegung fand zur Reformationsgedenkfeier am 1. Nov. 1817 statt. Geld, das von der "Vaterländisch-literarischen Gesellschaft der Grafschaft Mansfeld" unter der Aufsicht des Pastors Gotthilf Heinrich Schnee [14] in Groß-Örner zwischen 1806 - 1817 gesammelt wurde. Ursprünglich sollte mit dem Geld das Denkmal in Mansfeld errichtet werden. Der preußische König Friedrich Wilhelm der III. jedoch verfügte über das Geld und ordnete den Bau in Wittenberg an. [15]

Zuvor war aber noch die Frage zu klären, wie man einen Nichtadligen wie Martin Luther öffentlich als Standbild präsentiert. Zu jener Zeit war schließlich nur Kaisern und Feldherren eine derartige Abbildung als Denkmal erlaubt. [16] Friedrich Schinkel, der preußische Architekt und Stadtplaner entwarf daraufhin einen Baldachin den Luther umschließt. Er wird also nicht frei stehend gezeigt, sondern Luther und sein Wirken lässt sich als Raum interpretieren, der eingebettet ist in den geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext des Preußentums.

Der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, der Vielen als Schöpfer der Quadriga auf dem Brandenburger Tor ein Begriff sein dürfte, liefert den Entwurf des Standbilds von Martin Luther.

Der Guss des Denkmals stammt aus der "Königlichen Kanonengießerei zu Berlin".

Am 31. Okt 1821 wird das Lutherdenkmal feierlich enthüllt.

Maße
  • Die Höhe des Standbildes Luthers beträgt 2,80 Meter.
  • Die Höhe des Baldachins beträgt ca. 6,00 Meter.
  • Das Gewicht des Standbilds beträgt 75 Zentner (3.750 Kg)
  • Das Gewicht des Baldachins beträgt 90 Zentner (4.500 Kg)
  • Das Gewicht des Sockels beträgt 120 Zentner (6.000 Kg) [17]
Inschriften

Am Fussgestell des Lutherdenkmals gibt es 4 Inschriften:

  • Südseite: "Glaubet an das Evangelium, St. Marc. I B.15"
  • Westseite: "Ist's Gottes Werk, so wird's besteh'n, Ist's Menschenwerk, wird's untergehen"
  • Ostseite: "Eine veste Burg ist unser Gott"
  • Nordseite: "Von dem mansfeldischen Verein für Luthers Denkmal durch gesammelte Beiträge gegründet und durch König Friedrich Willhelm III. errichtet." [17]

Die aufgeschlagene Bibel in seiner linken Hand zeigen die Worte:

Sondern wollest mir Unwürdigem ... Denn dich lobt alles ewiglich. Der Bücher des alten Testaments ENDE

Auf der anderen Seite finden sich folgende Worte:

Das neue Testament verdeutscht von Doktor Martin Luther [18]

Im Jahr 1823 wird das Denkmal mit einem Eisengitter umzäunt. Bereits 1828 wird das Gitter aber wieder entfernt, denn es ist völlig verrostet. Um 1967 erweist sich der Baldachin als schadhaft und wird im Jahr 1967 in der Kunstgießerei Lauchhammer nachgegossen. [18]

Philipp Melanchthon

In direkter Nachbarschaft befindet sich das Denkmal von Philipp Melanchthon, das äußerlich dem Lutherdenkmal angeglichen ist. Keineswegs selbstverständlich ist sein Platz neben Luther auf dem Marktplatz. Der Umgang mit dem Vermächtnis des Sprachgelehrten ist Mitte des 19. Jahrhunderts schwierig. Philipp Melanchthon ist kein reformatorisches Zugpferg wie Luther. Vielmehr ist er der Herr der Hörsäle, der überlegte Lehrer, der stille Verfasser von Kommentaren und Grammatiken. Sollte so jemand seinen Platz neben Luther finden? Die preußischen Führung unter der Leitung König Wilhelm I. spricht sich dafür aus. An seinem 300. Todestag, am 19. April im Jahr 1860, erfolgt die Grundsteinlegung. [19]

Insgesamt 24.000 Taler werden für dieses Denkmal aufgewendet. Geld, das aus allen evangelischen Kirchen und Gemeinden innerhalb und außerhalb Deutschlands eingesammelt wird. [17] Preußens König Wilhelm I. weiht das Werk am 31. Okt. 1865 ein.

Modelliert wurde das Standbild vom Berliner Bildhauer Friedrich Drake, der auch als Schöpfer der Viktoria ("Goldelse") als krönender Abschluss der Siegessäule in Berlin bekannt ist. Der Oberbaurat Johann Heinrich Strack zeigt sich verantwortlich für den Baldachin.

Philipp Melanchthon hält in seiner Rechten die Confessio Augustana, das von ihm im Jahre 1530 verfasste, erste reformatorische Glaubensbekenntnis.

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Restauriert wurden die Denkmäler 1967 und 1998. [20]

Inschriften

Am Fussgestell des Melanchthondenkmals gibt es 4 Inschriften:

  • Südseite - Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht, Pf. 119, 46.
  • Westseite - Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens, Eph. 4,3.
  • Ostseite - Wenn wir uns an die Quellen begeben haben, fangen wir an Christentum zu schmecken.
  • Nordseite - Dem Lehrer Deutschlands die evangelische Kirche. König Wilhelm legte den Grundstein als Prinz-Regent den 19 April 1860. [17]

Wie auch beim Lutherdenkmal, wird im Jahr 1967, in der Kunstgießerei Lauchhammer, der Baldachin nachgegossen. [18]

Das fehlende dritte Denkmal

Auffällig ist die A-Symmetrie, die beide Reformatoren-Denkmäler auf dem Marktplatz herstellen. Rechts neben Luther wäre nämlich durchaus Platz für ein weiteres, drittes Denkmal, das einen harmonische Ausgewogenheit herstellen könnte. Gestört wurde die Harmonie des Platzes schon mit dem Bau des Melanchthondenkmals, am 19. April 1860. Tatsächlich sollte anschließend dann ein weiteres Denkmal Johannes Bugenhagen zeigen, der als dritter großer Wittenberger Reformator gilt. Somit hätten die 3 Reformatoren in einer Reihe den Marktplatz komplettieren.

Im Jahr 1885 jährte sich der Geburtstag Bugenhagens zum 400. mal. Ein Ausschuss begann im selben Jahr mit einem Spendenaufruf, um das nötige Geld für den Bau zu sammeln. Letztendlich kam aber nur so viel Geld zusammen, dass es zu einer Porträtbüste reichte. Der Standort am Wittenberger Marktplatz wurde daraufhin aufgegeben und die Büste des Johannes Bugenhagens kam an die Stadtkirche St. Marien, wo sie am 24. Juni 1894 feierlich enthüllt wurde. [21]

Marktbrunnen

Seit 1524 (1525?) steht an der Westfassade des Rathauses, dort wo es zum Kellergewölbe des Ratskellers hinabging, der Marktbrunnen. Das Original des Brunnens wurde vom Bildhauer Claus Heffner entworfen, der auch am Bau des Wittenberger Rathauses beteiligt war. Im Jahr 1617 wurde der ursprüngliche Brunnen durch den noch heute stehenden Renaissancebrunnen ersetzt. Insgesamt 2,25 in der Höhe ruht der Aufbau auf 4 sandsteinernen Säulen. [22] Er enthält eine lateinische Inschrift, die auf das Datum seiner Entstehung hinweist:

"Im Jahr 1617 ist im Monat Juli dieses Bauwerk auf Kosten des Rates und der Nachbarn errichtet worden."

Restauriert wurde der Marktbrunnen 1948 und 1967. Man könnte meinen, dass er bereits im 16. Jahrhundert aus dem Wittenberger Jungfernröhrwasser gespeist wurde, was jedoch nicht der Fall ist. Sein Wasser bezieht er damals als Tiefbrunnen bzw. Ziehbrunnen aus dem Grundwasser. Erst seit 1986 fließt das Wasser des Rörhwassers in diesen Brunnen.

Über die Jahrhunderte, bis in die 2000er Jahre hinein, kam es immer wieder zu schweren Beschädigungen des Brunnens. Das machte eine umfangreiche Sanierung nötig, die 2017 vorgenommen wurde. Die Originalteile werden seit dem im Magazin der städtischen Sammlung Wittenberg aufbewahrt. [23]

Frauenhaus

Östlich des Marktplatzes gelegen, ist seit dem 14. Jahrhundert das Frauenhaus. Es erweist sich, besonders nach Gründung der Universität Leucorea auf Grund der vielen Studenten in Wittenberg, als wahre Goldgrube für den Stadtrat. Die Dirnen sind einigermaßen geachtete Mitglieder der Gesellschaft, kümmern sich sich doch um die Bedürfnisses der Unverheirateten. [4]

Trotzdem wird es Im Jahr 1522 aus "moralischen" Gründen geschlossen. Der Marktmeister und sein Beiweib (Beischläferin) kommen an den Pranger, "gestäupt" hieß diese Art der Strafe damals und anschließend verschwinden sie noch eine Zeitlang in Gefangenschaft.

Wanderhuren werden ebenfalls vertrieben, um den Ausbruch der Syphilis einzudämmen. Besonders Martin Luther sorgt sich zu der Zeit um das Leben der Studenten. [4]

**!** Der Absatz über das Frauenhaus enthält noch relativ wenig Informationen. Vielleicht wissen Sie mehr darüber.
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Dies und Das

  • Die Folter war Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland nicht bekannt. Sie wurde aus Asien und dem Mittelmeer importiert und mit der "Carolina" (Constitutio Criminalis Carolina) im Jahr 1532 von Kaiser Karl V. eingeführt. [1]
  • Mit dem Beginn der Hexenprozesse im späten Mittelalter (ca. 1250-1500) kamen in Deutschland etwa 40.000 Menschen ums Leben. In Sachsen-Anhalt (dass es damals aber noch nicht gab) kam es zu etwa 150 Prozessen. [24]
  • Üblich war es, Hinrichtungen, die mit dem Schwert vollzogen wurde, auf dem Wittenberger Marktplatz stattfinden zu lassen. Dafür wurden die 4 Steine, die noch heute vor dem Rathausportal zu finden sind entfernt und die Pfosten des Schafotts eingelassen. [12]
  • Das Wittenberger Galgenfeld, bzw. der Galgenberg befand sich in der Nähe des Gasthauses "Grauer Wolf".
  • Zeitweise wurde die Giftmischerin Susanne Zimmermann im 4. Stock des Rathauses, in einer der Giebelstuben, gefangen gehalten. Sie konnte von dort in die Fenster ihrer eigenen Wohnung blicken. [25]
  • Ursprünglich geplant war es, das Melanchthondenkmal an der Stadtkirche St. Marien aufzustellen und Martin Luther allein auf dem Marktplatz zu präsentieren.

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Anmerkungen

Belege