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Christenheit im 15. und 16. Jahrhundert

Aus LutherWiki

Martin Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 an der Pforte des Schlosskirche Allerheiligen fällt in die Zeit eines tiefgreifenden Epochenwechsels. Immerhin regierte die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche seit nun mehr 1.000 Jahren und definiert seit dem das geistliche Universum des Abendlandes und seiner Gläubigen - ohne Widerspruch zu dulden. Und doch: die Christenheit Ende des 15. bzw. Anfang des 16. Jahrhunderts ist geprägt von großer Unsicherheit und Ereignissen, die das einst stabile Fundament des Christentums tief erschüttern.

Wenn die Aufzählung von epochalen Ereignissen doch immer nur unvollständig sein kann, seien an dieser Stelle besonders Prägnante genannt. Fügen Sie Weitere hinzu, wenn Sie meinen, dass sie bedeutsam für die Reformation sind.

Ereignisse

Eroberung Konstantinopels

Die Eroberung Konstantinopels (heute Istanbul), die Stadt, die am 29. Mai 1453 durch Sultan Mehmed II. fiel und damit das Ende des Byzantinischen Reichs besiegelt, ist ein Epochenwechsel. Die ca. 20 Kilometer lange Wehrmauer der Stadt gilt für lange Zeit als unüberwindbar und trägt maßgeblich zum Bestehen des Byzantinischen Reiches bei. Den Beschuss von 600 Kilo schweren Kanonenkugeln, aus 8 Meter langen Kanonen, während der Belagerung, hält aber auch sie letztendlich nicht stand. Die Stadt fällt in die Hände osmanischer Horden auf ihren struppigen Pferden.

Für die rund 50 Millionen Christen des Abendlandes ist der Verlust Konstantinopels die "Zornesrute Gottes", die brutale Strafe für ihre Sünden und für manche gar das Ende der Welt.

Das instabile Heilige Römische Reich

Das seit dem 10. Jahrhundert existierende Heilige Römische Reich, welches immerhin 844 Jahre, sechs Monate und vier Tage Bestand hat, ist im 15. Jahrhundert ein stark fragmentiertes Gebilde. Zahllose Territorien haben alle ihre eigenen Herrscher, darunter Herzöge, Fürsten, Grafen und Ritter.

Das "Alte Reich", wie es auch genannt wird, ist zu Luthers Zeiten riesig. Es reicht von Spanien, den Niederlanden, Deutschland bis Ungarn. Nach Süden hin erstreckt es sich nach Neapel und Sardinien bis nach Sizilien hin. Nach der Entdeckung Amerikas kommen zusätzlich Kolonien der spanischen Krone hinzu. [1]

In der Bevölkerung des Reichs hat sich über die letzten 100 Jahre sehr viel Unmut angestaut. Die katholische Kirche wird ihren Anforderungen immer weniger gerecht. In der Vergangenheit hat sie Unsummen an Geld für Kriege, Sakralbauten und ihre Hofhaltung ausgegeben. Immer höhere Steuern werden erhoben, der Amtsmissbrauch blüht und um die Verluste zu kompensieren, werden immer neue Ablässe ausgeschrieben. Das fällt nicht nur Martin Luther auf. Viele Theologen erkennen die Notwendigkeit der Reformation der römischen Kirche. Andreas Bodenstein, Martin Luthers Doktorvater sei hier genannt, wie auch Thomas Müntzer. In der Schweiz ist der Zürcher Prediger Ulrich Zwingli, der die Erneuerung der römischen Kirche fordert. [2]

Reichstag zu Worms

Man könnte annehmen, der Reichstag zu Worms sei für Martin Luther abgehalten worden und bereits nach wenigen Tagen Zu Ende gewesen. Doch Beides ist nicht der Fall.

IN BEARBEITUNG ...

**!** Der Absatz über das Heilige Römische Reich enthält noch relativ wenig Informationen. Vielleicht wissen Sie mehr darüber.
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Entdeckung Amerikas

Das christliche Europa zerfällt im Südosten durch Kriege und zeitgleich entdeckt am 14. Oktober 1492 Christoph Kolumbus einen komplett neuen Kontinent. Der Schrecken der Christen war immens, als sie begriffen, dass ein neuer Erdteil entdeckt wurde, mit Menschen, die den Namen "Jesus Christus" noch nie gehört haben.

Erfindung des Buchdrucks

Um 1455 entsteht in der Werkstatt des Mainzers Johannes Gutenberg die erste gedruckte Bibel, erschaffen mit den neu erfundenen, beweglichen Metalllettern. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts werden so 40.000 Buchttitel gedruckt, mit einer Gesamtauflage von 8.000.000 Stück.

Martin Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 ist eine Medienrevolution. Die Erfindung dieser neuen Art des Buchdrucks sorgt für eine schnelle Verbreitung in die Öffentlichkeit hinein. Der Nürnberger Patritzier Kaspar Nützel übersetzt noch vor Weihnachten 1517 Luthers Thesen in die deutsche Sprache und sorgt damit für eine weite Verbreitung seiner Thesen.

Entdeckung des heliozentrischen Weltbilds

Nikolaus Kopernikus, Domherr, Arzt und Astronom aus Königlich Preußen, stellt der Welt im Jahr 1543 sein heliozentrisches Weltbild vor. Zunächst erst zögerlich, mit einem Manuskript aus dem Jahr 1509, dem sogenannten "Commentariolus". In ihm beschreibt Kopernikus Planeten, einschließlich der Erde, die sich um die Sonne bewegen.

Seine späteren detaillierteren Aufzeichnungen fasst er in eine Schrift zusammen, die den Namen "Revolutionibus" erhält. Nur zögerlich tritt er damit an die Öffentlichkeit. Wahrscheinlich weil er fürchtet, dass er sich vor anderen Gelehrten lächerlich machen könnte.

Seine Beobachtungen sind revolutionär und blasphemisch zugleich. Die Erde ist nun nicht mehr Mittelpunkt des Sternenhimmels, sondern kreist um die Sonne. Diese Entdeckung kollidiert mit dem in der Bibel stehenden Psalm 104,5 in dem es heißt:

"Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.“

Er löst mit seiner Entdeckung zwar keinen kirchlichen Widerstand aus, wie später ein Johannes Kepler oder Galileo Galilei, positioniert jedoch den Menschen außerhalb des zentralen Geschehens. Ein Novum, dass den Übergang vom Mittelalter in die Frühe Neuzeit markiert.

Humanismus

Zwei Begriffe: der "Humanismus" und die "Renaissance" umreißen ein, zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert aufkeimendes, neues Denken. Der Ursprung ist in Italien zu finden. Zahlreiche Gelehrte fliehen im Jahr 1453, während der Belagerung Konstantinopels aus der brennenden Stadt. In ihrem Gepäck befinden sich Texte und Schriften große Denker und Redner des Altertums. Sie fliehen nach Italien, wo sich nun langsam auf Basis dieser Texte, ein neues Bewusstsein in der Gesellschaft entwickelt. Wobei der Begriff "Renaissance" die Kulturbewegung beschreibt und der Begriff "Humanismus" für die Bildungsbewegung steht. Humanismus wird an Universitäten gelehrt, wie zum Beispiel an der Wittenberger Universität Leucorea.

Dieses neue Denken rückt den Menschen, der gerade durch Nikolaus Kopernikus Entdeckung des heliozentrischen Weltbilds seinen physischen Mittelpunkt im Universum eingebüßt hat, in einen gänzlich neuen Mittelpunkt: in den einer neuen Weltanschauung.

Im Humanismus wird der Mensch wahrgenommen als positives, gestalterisches Individuum, das die Fähigkeit zum kritischen Denken besitzt. Der Mensch des Humanismus hinterfragt alte, religiöse Glaubenssätze und kritisiert bestehende, teils überholte Ansichten.

Erasmus von Rotterdam

Mit dem Niederländer Erasmus von Rotterdam erhält der europäische Humanismus im 16. Jahrhundert seinen bedeutendsten Vertreter und gleichzeitig einen der vehementesten Kritiker von Martin Luthers Reformation. Erasmus selbst möchte die Kirche reformieren, das WIE jedoch entscheidet. Für den Universalgelehrten gilt es zu den Quellen der Antike, zu den „bonae litterae“ zurückzukehren, ebenso wie zu den Quellen des Christentums, zu den „sacrae litterae“. Ein urtypischer Rerformationsgedanke, den beide, Martin Luther und Erasmus von Rotterdam, hegen.

Erasmus (und andere Humanisten) sind anfangs durchaus von Luthers Bemühungen die Kirche zu reformieren angetan, wenden sich aber schnell ab, als aus der Reformation droht, erst eine Revolte, dann eine Revolution zu werden. Erasmus stellt sich in Folge dessen auf die Seite der katholischen Kirche. [3]

Gedrängt von seinen Wissenschaftskollegen und dem Papst, er möge doch klar Stellung für eine Seite beziehen, verfasst Erasmus im Jahr 1524 die Schrift "De libero arbitrio" (Vom freien Willen) und bricht damit vollständig mit Luther und der Reformation. Diese Verwerfung geht so weit, dass Erasmus das Gerücht streut, Luther hätte schon vor seiner Hochzeit im Jahr 1525 mit Katharina von Bora sexuelle Beziehungen zu Frauen gehabt. [4]

Wink: Die Seite über die Christenheit des 15. und 16. Jahrhunderts scheint noch unvollständig zu sein. Erstellen Sie hier Ihr kostenloses Benutzerkonto und fügen Sie Ihr Wissen hinzu!

Dies und Das

  • Den Zusatz "Deutsche Nation" erhält das Heilige Römische Reich um das Jahr 1486 im sog. Landfrieden Kaiser Friedrichs III. [5] Es wird verwendet, um verschiedene Gruppen regionaler Herkunft zu inkludieren. Solche Gruppen waren zum Beispiel Franken, Schwaben und Sachsen. Bis zum Jahr 1806 war das "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" die offizielle Bezeichnung des Reichs.

Anmerkungen

Belege