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Martin Luther an Lucas Cranach d. Ä. 28. April 1521

Aus LutherWiki

Dem fürsichtigen Meister Lucas Cranach, Maler zu Wittenberg, meinem lieben Gevatter und Freunde. (1)

Meinen Dienst, lieber Gevatter Lucas. Ich segne und befehle euch Gott: ich laß mich einthun und verbergen, weiß selbst noch nicht, wo. Und wiewohl ich lieber hätte von den Tyrannen, sonderlich von des wüthenden Herzog Georgen zu Sachsen (2) Händen, den Tod erlitten, muß ich doch guter Leute Rath nicht verachten, bis zu seiner Zeit.

Man hat sich meiner Zukunft (3) zu Worms nicht versehen, und wie mir das Geleit ist gehalten, wisset ihr alle wohl aus dem Verbot (4), das mir entgegen kam. Ich meinte, Kaiserliche Majestät sollt ein Doktor oder fünfzig haben versammlet, und den Mänch redlich überwunden; so ist nichts mehr hie gehandelt, denn so viel: Sind die Bücher dein? Ja. Willst du sie widerrufen, oder nicht?ß Nein. So heb dich. O wir blinde Deutschen, wie kindisch handeln wir, und lassen uns so jämmerlich die Romanisten äffen und narren!

Sagt meiner Gevattern, eurem lieben Weib, meinen Gruß, und daß sie sich dieweil wohlgehabe. Es müssen die Juden einmal singen: Jo, Jo, Jo! (5) der Ostertag wird uns auch kommen, so wollen wir den singen Hallelujah. Es muß eine kleine Zeit geschwiegen und gelitten sein: Ein wenig sehet ihr mich nicht; und aber ein wenig, so sehet ihr mich, spricht Christus (Joh. 16, 16.). Ich hoff, es soll jetzt auch so gehen. Doch Gottes Wille, als der allerbeste, geschehe hierin, wie im Himmel und Erden, Amen.

Grüßet mir Meister Christian und sein Weib, wollet auch dem Rath meinen großen Dank sagen für die Fuhre. Ist euch der Licentiat Feldkirch nicht gnugsam, mögt ihr Herr Amsdorf zum Prediger ersuchen, er wirds gerne thun. Ade, hiemit allesamt Gott befohlen, der behüt euer aller Verstand und Glauben in Christo für den römischen wolfen und Drachen, mit ihrem Anhang, Amen. Zu Frankfurt am Main, Sonntags Cantate, Anno 1521.

Dr. Martinus Luther [1]

Addendum

  1. Geschrieben, auf der Rückreise von Worms das Luther am 26 April verlassen hatte.
  2. Luther tut seinem Gegner Unrecht; gerade Herzog Georg war entschieden für freies Geleit eingetreten.
  3. = Meines Erscheinens
  4. Kaiserliches Mandat vom 10 März, dass die Auslieferung der Schriften Luthers verlangte.
  5. Das Triumphgeschrei der Juden über Jesus am Karfreitag. [1]

Dies und Das

  • Der Brief ist zwei Tage nach seiner Abreise von Worms unterwegs in Frankfurt geschrieben. Weil Luther den Abend vor seinem Abzug in des Kurfürsten Rath, sich eine Weile „einthun und verbergen zu lassen“ gewilligt hatte, verabschiedet er sich von seinem Freunde brieflich, und gibt zugleich kurzen Bericht, wie es ihm in Worms ergangen.

Anmerkungen

Belege