Martin Luther an Else von Kanitz 22.08.1527
Der ehrbaren und Tugendsamen Jungfrau Elsen von Kanitz, ist zu "der Eiche" (1), meiner lieben in Christo Freundin.
Gnad und Friede in Christo Jesu. Ehrbare, Tugendsame Jungfrau Else, ich habe eure lieben Muhmen Hanna von Plausing schriftlich geboten, dass sie euch wollte zu mir schicken eine Zeit lang; denn ich gedachte euer zu (ge)brauchen, junge Maidlein zu lehren und durch euch solch Werk andern zum Exempel anzufangen. Bei mir sollt ihr zu Hause sein und zu Tische, dass ihr keine (Ge)fahr noch Sorge haben sollt, so bitte ich nun, dass ihr mir solches nicht wolltet abschlagen. Ich höre auch, dass euch der böse Feind mit schweren Gedanken anfechte. O liebe Jungfrau, lasst euch solches ihn nicht erschrecken; denn wer hier den Teufel (er)leidet, der darf eben dort nicht leiden, es ist ein gutes Zeichen. Christus hat auch solches alles gelitten und viel heilige Propheten und Apostel, wie der Psalter wohl anzeigt. Drumb seid getrost und leidet solche Ruthe vom Vater gerne, er wird euch auch wohl davon helfen in seiner Zeit. Wenn ihr kommt, so will ich euch weiter davon sagen. Hiermit Gott befohlen, Amen.
Zu Wittenberg, Donnerstag nach Agap., 1527. [1]
Addendum
- "die Eiche" ist ein Mönchskloster bei Leipzig, das seit 1525 in Privatbesitz übergegangen. Im Jahre 1490 gründet Kurfürst Friedrich der Weise dieses Kloster und übergibt es dem Antoniterorden. Die Bauleitung liegt damals bei dem bekannten Architekten und Baumeister Conrad Pflüger, der maßgeblich beim Bau von Schloss und Schlosskirche in Wittenberg, sowie der Universität Leucorea mitwirkt. [2]
Dies und Das
- Else von Kanitz (Elsa von Canitz) ist eine der 12 Nonnen die aus dem Kloster Marienthron flohen. Dieser Brief ist Teil der Seite Nonnenflucht im LutherWiki.
- Else von Kanitz scheint auf das Angebot Luthers nicht eingegangen zu sein. [1]
